Mittwoch, 4. November 2026

ME/CFS: Antwort von Dr. Maja Strasser auf die vorläufigen Ergebnisse der deutschen Neurologie-Gesellschaft

 



Die Antwort-Mail von Dr. Maja Strasser, Fachärztin Neurologie und Mitautorin des DACH-Konsensus auf den Arbeitskreis (AK) der deutschen Neurologie-Gesellschaft zu ME/CFS (DGN), heute veröffentlicht bei linkedin.

Hinweis:
Die vorläufigen Ergebnisse des sind mir nicht bekannt. Aber bereits 2025 sorgten die Ergebnisse dieses AKs der DGN für Entsetzen. Der Begriff "Belastungsphobie" ist ein Faustschlag ins Gesicht eines jeden Erkrankten. 


Rückmeldung zum DGN-Arbeitskreis ME/CFS

Sehr geehrte Mitglieder des DGN-Arbeitskreises ME/CFS

Die Vorstellung Ihrer vorläufigen Ergebnisse und insbesondere Teile der anschliessenden Diskussion haben mich fachlich erheblich irritiert. Eine kritische Bewertung der Studienqualität ist notwendig. Die geäusserte Infragestellung des biologischen Krankheitscharakters von ME/CFS ist durch die dargestellten Ergebnisse jedoch nicht gerechtfertigt.

Aus fehlenden diagnostischen Biomarkern, einem unvollständig geklärten Pathomechanismus oder fehlenden krankheitsmodifizierenden Therapien lässt sich keine funktionelle beziehungsweise somatoforme Genese ableiten. Dafür wäre eigenständige positive Evidenz erforderlich. Die durch jahrzehntelange Vernachlässigung der biomedizinischen Forschung entstandenen Wissenslücken dürfen nicht erneut gegen die somatische Einordnung verwendet werden.

Im Artikel von Gina Shaw in Neurology Today. erklärt Avindra Nath, klinischer Direktor des NINDS: «It reveals that there is an absolute biological basis for this disease, involving clear immune system abnormalities» [1]. Auch die CDC bezeichnet ME/CFS ausdrücklich als biologische Multisystemerkrankung [2]. Wenn der DGN-Arbeitskreis davon abweicht, muss er darlegen, welche Befunde er anders gewichtet und welche Evidenz seine alternative Einordnung stützt. Heterogene Kohorten und fehlende Biomarker genügen dafür nicht.

Die Deutung von PEM als «Belastungsphobie» ignoriert objektivierbare pathophysiologische Befunde.
Keller et al. dokumentierten bei 84 ME/CFS-Erkrankten gegenüber 71 bewegungsarmen Kontrollen eine Verschlechterung spiroergometrischer Leistungsparameter nach 24 Stunden, auch bei vergleichbarer aerober Ausgangsleistungsfähigkeit [3].

Appelman et al. zeigten bei Long COVID mit PEM metabolische Störungen und Histopathologien der Skelettmuskulatur mit zunehmenden nekrotischen Muskelfasern und fokalen Immunzellinfiltraten nach Belastung [4].

Eine Übersicht unter Mitautorenschaft von Carmen Scheibenbogen erläutert die mikrovaskulären und immunmetabolischen Mechanismen [5].

Die Vermeidung einer real krankheitsverschlechternden Belastung darf nicht ohne belastbare Belege psychopathologisiert werden.

NICE NG206 und das D-A-CH-Konsensus-Statement ordnen CBT beziehungsweise Psychotherapie ausdrücklich als unterstützend und ohne kurative Zielsetzung ein [6,7].

Ein krankheitsmodifizierender Nutzen ist nicht belegt. Die Behandlung psychischer Komorbiditäten ist davon zu unterscheiden.

Keine gesicherte Heilbehandlung bedeutet keineswegs keine Behandlungsmöglichkeiten. Internationale Empfehlungen beschreiben Pacing sowie individuell angepasste symptomatische Therapien insbesondere bei orthostatischer Intoleranz/POTS, Schmerzen und Schlafstörungen [6–10]. Evidenzgrad, Risiken und ein allfälliger Off-label-Einsatz sind transparent darzustellen.

Von einer Stellungnahme der DGN zu einer seit 1969 neurologisch klassifizierten Erkrankung erwarte ich die angemessene Wiedergabe des internationalen Expertenkonsenses und eine wissenschaftliche Begründung abweichender Bewertungen.

Vor allem erwarte ich konkrete Empfehlungen, damit frühe korrekte Diagnostik, zuverlässige PEM-Erkennung und symptomatische Behandlung zum Versorgungsstandard werden.

Forschungslücken dürfen nicht dazu führen, überholte psychogene Zuschreibungen fortzuschreiben und die Versorgung erneut aufzuschieben.

Freundliche Grüsse
Dr. med. Maja Strasser
Fachärztin für Neurologie
Mitautorin des D-A-CH-Konsensus-Statements zu ME/CFS

Literatur
1. Shaw G. Are ME/CFS and Long COVID Part of the Same Disorder? _Neurology Today_. 18.04.2024. [DOI](https://lnkd.in/eKQjTzqM)
2. CDC. [Clinical Overview of ME/CFS](https://lnkd.in/ehic-Tri).
3. Keller B, et al. Cardiopulmonary and metabolic responses during a 2-day CPET in ME/CFS. _J Transl Med_. 2024;22:627. [DOI](https://lnkd.in/eV87Brab)
4. Appelman B, et al. Muscle abnormalities worsen after post-exertional malaise in long COVID. _Nat Commun_. 2024;15:17. [DOI](https://lnkd.in/eKTFgrwy)
5. Haunhorst S, et al. Towards an understanding of physical activity-induced post-exertional malaise: Insights into microvascular alterations and immunometabolic interactions in post-COVID condition and ME/CFS. _Infection_. 2025;53:1–13. [DOI](https://lnkd.in/ejZjP-BK)
6. NICE. [ME/CFS: diagnosis and management. NG206](https://lnkd.in/dY5PQ42K). 2021; insbesondere 1.12.28–1.12.34.
7. Hoffmann K, et al. Interdisziplinäres, kollaboratives D-A-CH Konsensus-Statement zur Diagnostik und Behandlung von ME/CFS. _Wien Klin Wochenschr_. 2024;136(Suppl 5)–S123. [DOI](https://lnkd.in/eBRQxjHR)
8. Bateman L, et al. ME/CFS: Essentials of Diagnosis and Management. _Mayo Clin Proc_. 2021;96:2861–2878. [DOI](https://lnkd.in/e4MM8G36)
9. Grach SL, et al. Diagnosis and Management of ME/CFS. _Mayo Clin Proc_. 2023;98:1544–1551. [DOI](https://lnkd.in/eiWCPDS5)
10. US ME/CFS Clinician Coalition. [ME/CFS Treatment Recommendations](https://lnkd.in/ePVtydty). 2021.

Dienstag, 3. November 2026

ME/CFS: Brief von Dobbin an Premier von 360 Sportlern unterschrieben

 



In England tritt das ein, was sich ME/CFS-Betroffene auf der ganzen Welt wünschen:
Eine Prominente ist an ME/CFS erkrankt und hat ein Interview gegeben.

Mit dem Outing der ehemaligen Olympia-Teilnehmerin Beth Dobbin haben bisher 360 Sportler einen Brief an den Premierminister unterzeichnet, in dem er auffordert wird, die ehemalige Sprinterin Beth Dobbin zu treffen und sich zu mehr Mittel für die ME-Forschung zu verpflichten.

Dobbin, 32, enthüllte kürzlich in einem Interview mit BBC Sport, dass bei ihr "lebensdezimierende" ME (myalgische Enzephalomyelitis) diagnostiziert wurde und infolgedessen mehr als 22 Stunden pro Tag im Bett verbringt.

Am 21. Oktober schrieb Dobbin an die Premierministerin, erhielt aber keine Antwort.

Zu den 360 Sportlern, die nun den Brief unterzeichnet haben, gehören Everton-Manager David Moyes, seine US-amerikanische Frauenkollegin Emma Hayes, die ehemalige Chelsea- und England-Innenverteidigerin Millie Bright sowie die Athleten Laura Muir, Eilish McColgan und Adam Gemili.

Zwischen 2019 und 2024 haben britische Forschungsförderer nur £ 6,6 Mio. in der Finanzierung der Forschung an ME bereitgestellt, verglichen mit £ 79,1 Mio. für Parkinson und £ 496,4 Mio. für Demenz.

Quelle: https://www.bbc.com/sport/athletics/articles/c63r53wvy4q5o?fbclid=IwY2xjawVXH0BleHRuA2FlbQIxMQBwZG9mAXNydGMGYXBwX2lkEDIyMjAzOTE3ODgyMDA4OTIAAR8JdNPEfHh60lpUb37PiK4aHns_1GgNZ7wA5KFGk5u-fWUQAsjyszObTL2g8Q_aem_TensEq1ngSxM4KJkQKhQFQ

ME-ANE-PROTECT - Studie zu Auswirkungen von Operationen und Anästhesie bei ME/CFS

An alle, die während seiner ME/CFS-Erkrankung bereits operative oder diagnostische Eingriffe (auch Magen-/ Darmspiegelungen etc.) unter Narkose/ Betäubung etc. hinter sich bringen mussten, die große Bitte: 

Macht mit bei der Umfrage  und Studie 
"ME-ANE-PROTECT - Studie zu Auswirkungen von Operationen und Anästhesie bei ME/CFS" 

Denn nur durch unsere Erfahrungen und unseren Berichten kann die Forschung lernen. 

Die Umfrage finden Erwachsene unter folgendem link. 

Kinder und Jugendliche werden unter diesem link befragt. 


Montag, 2. November 2026

Norwegische Studie befragt Psychosomatiker zu ME/CFS

 


In einer norwegischen Studie wurden 16 medizinische Vertreter der Psychosomatik befragt, die bei ME/CFS einen die einen „psychologisch und verhaltensorientierten Ansatz“ (CBT) verfolgen und davon überzeugt sind, dass dieser den Patienten hilft, sich von ME/CFS zu erholen.

Die Interviews geben Einblick in ihre Erfahrungen, ihre Sichtweise auf die Patienten und ihren Behandlungsansatz. Teilweise liefern sie erschreckende Einblicke.

M.E. geht es in dieser norwegischen Studie nicht um die Verbesserung der Lebensqualität oder der Funktionsfähigkeit der Erkrankten. Die medizinischen Fachkräfte glauben nach wie vor, sie würden ME-Patienten zur Genesung „trainieren“.

Sie vertreten einige schockierende und gefährliche Ansichten, die sie auch in die Praxis umsetzen. Dazu gehört, dass sie Familienangehörige und Pflegepersonen darin „schulen“, schwerwiegende ME-Symptome zu ignorieren, Maßnahmen zum körperlichen Schutz zu vernachlässigen und daran mitzuwirken, ihrem kranken Angehörigen oder Partner „beizubringen“, dass ME keine schwerwiegende körperliche Erkrankung sei.

Interessant ist, dass manche Therapeuten jedoch schon Bedenken haben und sich fragen, wie diese Ansätze wahrgenommen werden könnten, falls zukünftige Forschungsergebnisse eine behandelbare biologische Funktionsstörung nachweisen sollten“.

Mehrere Kliniker berichteten zudem, dafür kritisiert worden zu sein, dass sie den Patienten keinen Glauben schenkten oder deren Leiden herunterspielten, was die damit verbundenen moralischen und beruflichen Risiken verdeutlicht.

Die Frage „Was, wenn wir uns irren?“ steht damit sehr wohl im Raum - auch wenn sie das nach außen nicht zugeben würden.
 
Warum teile ich die Studie, die m.E. völlig überholt ist?

Sie zeigt auf, dass nach wie vor die Psychosomatik eine größere Rolle spielt, als wir denken.

In Deutschland
a) wird bereits betont, dass die Psychosomatik bei den Forschungsvorhaben keinen Schwerpunkt mehr bilden wird,
b) sollte eigentlich inzwischen offiziell anerkannt sein, dass die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) bei ME/CFS nicht hilfreich, sondern im Zweifelsfall sogar schädlich sein kann,
c) wird stattdessen auf unterstützende Therapiemodelle verwiesen.

D.h. jedoch nicht, dass nach wie vor genügend Behandler die Meinung der norwegischen Psychosomatiker teilen.

Ich selbst kann nur dazu raten, bei ME/CFS bei psychotherapeutischem Bedarf auf diese Information https://www.mecfs.de/psychotherapie/ sowie auf Frau Bettina Grande zu verweisen.

Freitag, 30. Oktober 2026

Studie: Paxlovid weist bei Hochrisiko-Patienten ein geringeres Risiko für Long Covid auf

 
Paxlovid (Nirmatrelvir/Ritonavir) ist für die Anwendung bei Patienten zugelassen, die ein hohes Risiko für einen schweren akuten COVID-19-Verlauf haben.

Die Erkenntnisse darüber, ob die akute Anwendung von Paxlovid vor postakuten Folgeerkrankungen einer SARS-CoV-2-Infektion (PASC) oder Long-COVID schützt, sind bei Hochrisikopatienten jedoch bisher uneinheitlich. Bei Niedrigrisikopatienten fehlen sie gänzlich.

Daher untersuchten Forscher den den Zusammenhang zwischen
a) einer Paxlovid-Behandlung innerhalb von 5 Tagen nach einer SARS-CoV-2-Infektion und
b) dem Auftreten von Long COVID sowie
c) Krankenhausaufenthalten oder Todesfällen jeglicher Ursache in der postakuten Phase (30–180 Tage nach der Infektion).

Genutzt wurden dafür elektronische Gesundheitsdaten aus dem RECOVER-Repository des Patient-Centered Clinical Research Networks (PCORnet).

Die Studienpopulation umfasste 497.499 SARS-CoV-2-positive Patienten im Zeitraum vom 1. März 2022 bis zum 28. Februar 2023.

Von den Patienten, die mindestens einen Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf aufwiesen, wurden 159.659 innerhalb von 5 Tagen nach der Infektion mit mindestens einer Dosis Paxlovid behandelt, während 272.048 während der akuten Infektionsphase weder mit Paxlovid noch mit anderen COVID-19-Therapien behandelt wurden.

Ergebnis der Studie:
Erwachsene COVID-19-Patienten mit hohem Risiko, die nicht stationär behandelt wurden und innerhalb von 5 Tagen nach der SARS-CoV-2-Infektion mit Paxlovid behandelt wurden, wiesen in der postakuten Phase ein geringeres Risiko für Long COVID sowie für Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle jeglicher Ursache auf.

Bei Patienten mit geringem Risiko wurde jedoch keine Verringerung des Long-COVID-Risikos durch Paxlovid beobachtet.

Ich kann daher nur jedem ME/CFSler und Post Covidler sowie MCAS-Erkrankten raten, sich Paxlovid verschreiben zu lassen. Zuvor sollte jedoch unbedingt das extreme hohe Potential der Wechselwirkungen beachtet werden.

Quelle der Studie:
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)

Donnerstag, 29. Oktober 2026

Forschungsprojekte zur Versorgung von ME/CFS und Post Covid

Zurzeit wird v.a. immer wieder medienstarke Forschungsdekade der postinfektiösen Erkrankungen wie ME/CFS und Post Covid geschrieben und gesprochen - auch wenn bisher kaum konkrete Daten zur Verfügung stehen. 

Die Versorgungsforschung, die m.E. für viele Erkrankte ähnlich wichtig ist - und v.a. akut viel dringender ist, wird dabei oft aus den Augen verloren. 

Daher bin ich einem Linken-Politiker Sascha (MdB) Wagner sehr dankbar, der Anfang 2025 eine Umfrage an die Bundesregierung gestellt hat. 

Der Wortlaut der Anfrage lautet: 
"Wie viele finanzielle Mittel stellt die Bundesregierung 2025 und 2026 zur Verfügung um die medizinische Versorgung der – Schätzungen von Experten zufolge – mindestens 1,5 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger zu gewährleisten , die unter Post/Long-COVID oder ME/CF leiden (bitte einzeln und detailliert nach Zahlungsempfänger auflisten), und welche konkrete Strategie verfolgt die Bundesregierung, um die Betroffenen zu unterstützen und nach wirksamen Medikamenten forschen zu lassen?"

Die Antwort inkl. einer Auflistung aller Forschungsprojekte, die sich rund um die Versorgung von ME/CFS- und Post Covid-Erkrankten drehen, findet Ihr unter folgendem Link. Das sind m.E. v.a. die Projekte, die v.a. noch von der letzten Regierung angestossen wurden. 

https://www.sascha-h-wagner.de/politik/anfragen-an-die-bundesregierung/detail/news/forschungsfoerderung-zu-post-long-covid-und-me-cfs/

Ich werde in den nächsten Wochen und Monaten zu diesem Thema mehr schreiben und mich mit dem einen oder anderen Projekt auch noch eingehender beschäftigen. 



Mittwoch, 28. Oktober 2026

Versorgungsforschung OrgaMECO

 

Für ein Forschungsprojekt

"Versorgungsforschung OrgaMECO – Die Rolle von Betroffenenorganisationen im Bereich ME/CFS und Post-COVID: aktuelle Situation, Barrieren und Potenziale – eine Mixed-Methods-Studie"
wird in den nächsten drei Jahren 1 Mio. EUR investiert.


Es geht dabei um die Fragen

a) Welche Rolle spielen Betroffenenorganisationen in der Versorgung von #MEcfs und #PostCovid?

b) Wie lässt sich die Zusammenarbeit mit Betroffenen, Angehörigen und Versorgenden weiter verbessern?

Bei allem Wohlwollen kann ich als Betroffene diese Studie nur bedingt gutheißen - und mich würde brennend interessieren, wie die einzelnen Patientenorganisationen das sehen.

Warum muss ca. 1 Mio EUR für eine Forschung ausgegeben werden auf einem Gebiet, wo die "Versorgung" schon perfekt funktioniert, nämlich von seiten der Betroffenenorganisationen?

Warum muss 1 Mio. dort investiert werden, wo sich Betroffene noch nie beschwert haben - und wo heute schon viel zu viel getan werden muss, weil Unterstützung und Hilfe an den offiziellen Stellen fehlt?

Wäre es nicht weitaus zielführender, genau diese 1 Mio. EUR in die fehlende Versorgungen der medizinischen Einrichtungen zu investieren?

Dienstag, 27. Oktober 2026

LDN: Studie enttäuschend

 

Die Ergebnisse einer Studie zu niedrig dosiertem Naltrexon (LDN) wurden veröffentlicht.

Leider zeigen sie, dass LDN die Erschöpfung, die Schmerzen und andere Symptome bei Patienten, die nach einer COVID-19-Erkrankung an ME/CFS erkrankten, nicht lindern konnte.

Hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse, die ich von ME/CFS science übernommen und übersetzt habe:

1) An der Studie nahmen 160 Teilnehmer teil, die an dem sogenannten „Post-COVID-19-Fatigue-Syndrom (PCFS)“ litten.

Die Patienten erfüllten die ME/CFS-Kriterien des Institute of Medicine aus dem Jahr 2015, mit der Ausnahme, dass die Symptome im Anschluss an eine COVID-19-Erkrankung auftreten und mindestens 3 statt 6 Monate andauern mussten.

2) Die Teilnehmer erhielten 16 Wochen lang entweder ein Placebo oder LDN. LDN wurde oral verabreicht, beginnend mit 1 mg täglich und, sofern vertragen, auf 4,5 mg erhöht. Das Medikament war relativ sicher, jedoch traten unter LDN mehr unerwünschte Ereignisse des Grades 3 oder höher auf, und ca. 25 % konnten die Dosis nicht auf 4,5 mg steigern.

3) Die Studie umfasst mehrere Themen wie Fatigue (FSS). Schmerzen (VAS), PEM (PQSymp-12), Lebensqualität (EQ-5D-5L) sowie das Aktivitätsniveau (Schritte pro Tag, gemessen über 7 Tage mit einem Schrittzähler).

4) Außerdem wurden mehrere körperliche Untersuchungen durchgeführt, darunter Tests auf POTS, orthostatische Hypotonie, Handgriffkraft sowie ein Sit-to-Stand-Test zur Beurteilung der körperlichen Fitness. Auch hier zeigten sich keine signifikanten Unterschiede.

5) Insgesamt scheint es sich hier um ein eindeutiges Nullergebnis zu handeln.

Fazit: 
Damit belegt die Studie in keinster Weise die bisherigen offenen, unkontrollierten Studien zu Long COVID oder ME/CFS und steht im Gegensatz zu der breiten Unterstützung für den Einsatz von LDN durch Ärzte und Patienten weltweit - was natürlich ein großer Widerspruch ist, und auch für viele sehr enttäuschend sein dürfte, v.a. für diejenigen, die das Medikament nach wie vor im Offlabel-Gebrauch selbst bezahlen. 

Gleichzeitig sollte man sich jedoch bewusst sein, dass es sich in der Studie  
a) um eine kürzere Erkrankungszeit (3 Monate statt 6 Monate) sowie 
b) nur um ME/CFS, das durch eine Covid-Erkrankung ausgelöst wird, 
handelt. 


Auch gingen die Autoren der Studie sehr forsch in der Medikamentisierung vor, indem sie bereits mit 1 mg begannen, während vielen Erkrankten sehr viel niedrigere Einstiegsdosen empfohlen werden. Der Beobachtungszeitraum von 16 Wochen ist m.E. auch viel zu kurz. 

Zudem wurden die Einschlusskriterien wie bei vielen Post Covid- und ME/CFS-Studien s sehr breit gefasst und nicht weiter eingegrenzt. 

M.E. geht es daher um weitere Differenzierung - und um eine stärkere Individualisierung. 


Ich selbst nehme  seit ca. fünf Jahren täglich LDN in Höhe von 4,5 mg und befinde mich damit schmerztechnisch auf einem ganz anderen Niveau. Während ich früher von "Todesschmerzen" sprach, benötige ich heute keine herkömmlichen Schmerzmittel mehr. Aber ich hatte auch zusätzlich zu ME/CFS und MCAS auch eine diagnostizierte Fibromyalgie. 

Da ich das Medikament anfangs zur Immunmodulierung sowie als Prokinetium (ab 4 mg wirkt es gegen Verstopfung) verschrieben bekam, hatte ich keinerlei Erwartungen an die schmerzlindernde Wirkung. Auch wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nichts von meiner ME/CFS-- und MCAS-Erkrankung, da ich über 19 Jahre lang fehldiagnostiziert wurde. Daher kann bei mir auch ein Placebo-Effekt ausgeschlossen werden. 


Quellen zur Studie findet Ihr hier: 
https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=pfbid0UrRUgZx3AMrtuaj6ngGi3WXAyjvDgCPnFtaf8RYvDWccXzszsadCWmTj8YXMZficl&id=100063821632681


https://www.medrxiv.org/content/10.64898/2026.10.22.26363582v1.supplementary-material?fbclid=IwY2xjawVNXE9leHRuA2FlbQIxMABwZG9mAWJyaWQRMWYxd0JJNlFQZjNPblJhMmRzcnRjBmFwcF9pZBAyMjIwMzkxNzg4MjAwODkyAAEeAl3bIDYnCCiOJB53eqcs2Tp5OOB_NxhziYc-rHsf0T7kd2Dxa3o-08Kk1Lw_aem_uO4pV7OP2TQJ0e-YkUxYPQ

Was hat es mit dem Bluttest auf sich, der ME/CFS nachweisen soll?


Wissenschaftler der britischen University of East Anglia in Zusammenarbeit mit dem Biotech-Unternehmen Oxford Biodynamics (OBD) haben im letzten Jahr einen Bluttest entwickelt haben, der die ME/CFS bestätigen soll. Der Test wurde im letzten Jahr im Fachmagazin Journal of Translational Medicine vorgestellt.

Die Forschungsbemühungen basieren auf epigenetischer Profilierung und sind sicherlich ein wichtiger Schritt bei der Suche nach einem diagnostischen Bluttest.

Aber wie die Forscher selbst betonen, sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich, um diese Ergebnisse ordnungsgemäß zu validieren und zu wiederholen - und der Medizin ein hochsensibles sowie hochspezifisches Diagnosetool für ME/CFS zur Verfügung stellen zu können.

Daher ist es noch zu früh für die Erwartung, dass die ME/CFS-Diagnostik demnächst mit einem Pieks erledigt ist.

Studie sät Zweifel an "Microclot"-Hypothese bei Post Covid

 


Eine Studie in England (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/hem3.70501) befasst sich mit der weit verbreiteten Hypothese, dass bei Long Covid (LC) „Mikrogerinnsel“ entstehen, die sich im peripheren Gefäßsystem festsetzen und dort eine lokale Gewebehypoxie sowie Symptome wie Atemnot und Fatigue verursachen.

Diese Hypothese beruht auf
- Beobachtungen bei akutem COVID-19, bei dem ein hyperkoagulabler Zustand mit beeinträchtigter Fibrinolyse und erhöhtem Thromboserisiko festgestellt wurde, sowie
- auf Berichten über Amyloid-Fibrin(ogen)-Mikroaggregate bei Long Covid.
Sie rechtfertigte in der Vergangenheit, um den Einsatz von antithrombotischen Medikamenten und der Plasmapherese außerhalb klinischer Studien zu rechtfertigen, obwohl diese Behandlungen nachweislich Nebenwirkungen haben.

Daher sollte überprüft werden, ob
- etablierte Marker für Gerinnung/Fibrinbildung,
- Thrombozyten- und Endothelaktivierung,
- NETose (neutrophile extrazelluläre Fallen) und
- Fibrinolyse sowie
- die Architektur von Fibringerinnseln und Fibrin(ogen)-Mikroaggregate mit Symptomen,
Störungen des pulmonalen Gasaustauschs oder Durchblutungsstörungen bei Long Covid-Patienten, die vorher noch nie stationär behandelt worden waren, verbunden waren.

Teilnahmeberechtigt waren 
Erwachsene, die noch nie wegen einer akuten COVID-19-Erkrankung stationär behandelt worden waren und die Diagnose "Long Covid" (LC) gemäß den NICE-Kriterien nach einer multidisziplinären Beurteilung und dem Ausschluss alternativer Ursachen erhalten haben.

Die Teilnehmer wurden klinisch in die Gruppen
- „LC mit Atemnot“ (BLC) und
- „LC ohne Atemnot“ (NBLC) eingeteilt.

Ausgeschlossen wurden
- aktuelle Raucher,
- Personen mit signifikanten Auffälligkeiten im Thorax-CT,
- Personen mit einer Atemwegsobstruktion (FEV1/FVC < 0,7) sowie Personen, die Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmer erhielten.

Die nach Alter und Geschlecht angepassten Kontrollpersonen hatten zuvor eine bestätigte COVID-19-Erkrankung, waren jedoch vollständig genesen.

Fazit der Studie:
Bei Patienten mit nie erfolgter Krankenhausaufnahme und von einem Facharzt bestätigtem Erkrankung fanden sich keine Anzeichen für eine
- anhaltende prothrombotische Aktivierung,
- eine beeinträchtigte Fibrinolyse,
- eine abnormale Fibrinfaserarchitektur oder erhöhte Fibrin(ogen)-Mikroaggregate

Daher wurde festgestellt, dass es keine signifikanten Zusammenhänge mit
- Atemnot,
- Fatigue oder
Parametern der Lungenperfusion und des Gasaustauschs gab.
Diese Ergebnisse legen nahe, dass bei diesen Patienten keine antithrombotische Therapie (Medikamente, Plasmapherese) gerechtfertigt ist.

Anmerkung:
Die Forscher säen damit Zweifel und raten zur Vorsicht bei entsprechenden Behandlungen.
Dies schließt aber nicht aus, dass
- bei Patienten mit KH-Aufenthalten während der Covid-Erkrankung sowie
- Post Vacc-Patienten
die Situation anders aussieht.

ME/CFS: Antwort von Dr. Maja Strasser auf die vorläufigen Ergebnisse der deutschen Neurologie-Gesellschaft

  Die Antwort-Mail von Dr. Maja Strasser, Fachärztin Neurologie und Mitautorin des DACH-Konsensus auf den Arbeitskreis (AK) der deutschen Ne...