Sonntag, 8. November 2026

Psychisch Erkrankte und körperliche Erkrankungen: Zu oft fehldiagnostiziert?



Heute bin ich durch einen Beitrag von Dr. Julia Maria Nonn, ärztliche Direktorin und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie aufmerksam geworden. 

Diese weist auf Studien hin, die die d
iagnostischen Ungleichheiten im Zusammenhang mit der körperlichen Gesundheitsversorgung bei Menschen mit psychischen Erkrankungen überprüften: 

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39877262/

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S027795362600002X

Durch die Studien wird überdeutlich, dass das Risiko, somatische Beschwerden ohne gründliche Diagnostik der bekannten psychischen Diagnose zuzuschreiben, sehr hoch ist. Dieses Verhalten wird auch als diagnostisches Überschatten (diagnostic overshadowing) bezeichnet.

In der ersten Übersichtsarbeit von Liberati et al. (2025) wurde aufgezeigt, dass in 29 von 37 Studien mit geeigneter Vergleichsgruppe für Menschen mit psychischen Erkrankungen ein signifikant erhöhtes Risiko bestand, dass körperliche Erkrankungen nicht oder verspätet diagnostiziert wurden. 

In der zweiten, aktuellen ethnografischen, Studie von Liberati et al. (2026) wurden in drei drei englischen Notaufnahmen 284 Beobachtungsstunden und 43 Interviews ausgewertet. Zeitdruck, mangelhafte Strukturen fördern dieses Risiko enorm. 

Eine bekannte psychiatrische Diagnose darf jedoch nie dazu führen, dass ein neues körperliches Symptom nicht angemessen untersucht wird und als "psychisch bedingt" dargestellt wird. 


NAKO-PAIS


Das erste Forschungsprojekt im Rahmen der Forschungsdekade zu postinfektiösen Erkrankungen (PE) wurde bewilligt! Es hat den Namen NAKO-PAIS  erhalten. 



Ziel des vorliegenden Vorhabens ist die Erweiterung der Datenbasis auf drei Ebenen:

1. Bei 25.000 NAKO-Teilnehmenden ohne Erkrankungen sollen Informationen zum Erbgut (Ganzgenom) und zu einer breiten Palette an Antikörpern gegen relevante Erreger von Infektionskrankheiten erhoben werden.

2. Erbgut und Antikörper für etwa 20.000 NAKO‑Teilnehmende mit gesicherter PE bzw. ME/CFS sollen bestimmt werden, um die medizinische Datengrundlage über Erkrankte zu verbessern.

3. 4.250 PE‑Erkrankte und 4.250 Nicht-Erkrankte sollen für eine Fall-Kontroll-Studie umfassend molekular charakterisiert werden: Geplant sind Erbgut- und Antikörperanalysen auch Autoantikörperbestimmungen sowie weitere Laboranalysen auf verschiedenen molekularen Ebenen.

Die im Projekt erzeugten Daten sollen der Forschung zu postinfektiösen Erkrankungen über eine sichere Datenverarbeitungsumgebung zur Verfügung gestellt werden.

Das Projekt läuft über drei Jahre und wird knapp 28 Mio. EUR kosten.

Mehr Informationen findet Ihr hier

Samstag, 7. November 2026

GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz



Das "GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz" schafft hohe Kosten - für uns alle.

Ab 2027 gilt ein fester Budgetdeckel für alle Arztpraxen: Die Terminnot wird daher zunehmen.

Die Gründe liegen auf der Hand: 

a) 2,7 Milliarden Euro werden im ambulanten Sektor gestrichen, was mit mehr als 50 Millionen Terminen gleichzusetzen ist. Die Terminnot wird weiter zunehmen.

b) Die Praxen erhalten zudem ein jährliches Limit für ihre Leistungen. Behandeln sie mehr Patientinnen und Patienten als im Budget vorgesehen, wird diese Mehrarbeit nicht zusätzlich vergütet. Wer mit Medizinern redet, weiß, dass die meisten jetzt schon im 3. Monat des Quartals für umsonst arbeiten und aufgrund der Grundkosten (Personal, Miete, Ausrüstung, Energie) ein Minusgeschäft machen. Kompensiert werden kann das nur durch Privatpatienten.

c) Dazu kommt eine "erweiterte "Terminmeldepflicht" von Arztterminen an die Terminservicestelle: unabhängig (!) davon, ob diese überhaupt frei sind.

Die direkten zusätzlichen Kosten für die Patienten werden steigen durch steigende Zuzahlungen:
a) für viele Medikamente statt meist 5 Euro künftig 7,50 Euro pro Packung

b) für Hilfsmittel wie Rollatoren, Krücken oder medizinische Kompressionsstrümpfe: statt 10 Euro künftig 15 Euro Zuzahlung

c) für Krankenhausaufenthalte: statt 10 Euro künftig 15 Euro pro Tag"

d) Zahnersatz:
- "ohne Bonusheft: statt 60 % Zuschuss künftig nur noch 50 Prozent
- mit mindestens 5 Jahren Vorsorge: Zuschuss sinkt von 70 auf 60 %
- mit mindestens 10 Jahren Vorsorge: Zuschuss geht von 75 auf 65 % zurück"

e) Das "Pflegeneuordnungsgesetz§ wird ab morgen im Bundestag beraten. 

Geplant sind Wegfall
- Entlastungsbeitrag Pflegestufe 1
- Verhinderungspflege als eigenständige Leistung sowie
Erhöhung der Beiträge zur Pflegeversicherung.

Ich verstehe, dass wir mehr sparen müssen - und ich kann die höheren Zuzahlungen wie die höheren Kosten für den Zahnersatz z.B. klar nachvollziehen und mittragen.

Aber die weitere Deckelung der Praxen ist für mich ein Rätsel. Sie wird für Chaos sowie unbehandelte Patienten führen, was wiederum die Notaufnahmen sprengen wird.

F-Diagnosen bei ME/CFS und MCAS : Was kann man dagegen tun?



Sie haben F-Diagnosen, obwohl Sie körperlich erkrankt sind und wollen wissen, was Sie dagegen tun können? 

Der Leitfaden F-Diagnosen  ist gedacht für:

- Betroffene und Angehörige, die eine F-Diagnose in ihren Unterlagen gefunden haben und wissen wollen, ob sie Bestand hat und was sie tun können.
- Für Ärztinnen, Ärzte, Psychotherapeutinnen, Psychotherapeuten und Sachverständige, die ME/CFS sauber von psychischen Störungen abgrenzen und lege artis kodieren wollen.
- Für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, die Gutachten im Sozial-, Entschädigungs-, Renten- und Versicherungsrecht prüfen.

SIFO

 



Kennt Ihr die SIFO (Small Intestinal Fungal Overgrowth)?

Bei bis zu 34 % der SIBO-Patienten liegt gleichzeitig eine SIFO vor. Werden bei chronischen Magen-Darm-Beschwerden nur Bakterien behandelt, wird das Problem oft nur zur Hälfte gelöst. Denn SIFO wird meist verursacht durch Candida spp..

Typische Leitsymptome:
- Blähungen kurz nach zuckerreichen Mahlzeiten,
- Heißhunger auf Kohlenhydrate und Übelkeit.

Der Teufelskreis ist perfekt:
- Erhöhter Blutzucker dient Candida als direktes Wachstumssubstrat.
- Die resultierende Pilzüberwucherung aktiviert wiederum eine Th17-vermittelte Immunreaktion, welche systemische Entzündungen fördert und die Insulinresistenz weiter verschärfen kann.

Gleichzeitig hemmen Candida-Metaboliten gezielt die Diaminoxidase (DAO).

Candida albicans triggert zudem Mastzellen zur direkten Ausschüttung von Histamin und proinflammatorischen Zytokinen. Bei therapieresistenter HIT sollte daher immer an SIFO gedacht werden.

Und zum Schluss kommt noch "Brain Fog" und das Auto-Brewery Syndrome hinzu:
Hierbei fermentieren Hefepilze im Darm Kohlenhydrate zu Ethanol und zelltoxischem Acetaldehyd. Betroffene erleben Symptome einer Alkoholvergiftung, völlig ohne Alkoholkonsum.

Risikofaktoren:
a) Antibiotika
b) Magensäureblockade durch Protonenpumpenhemmer (PPI)
c) GLP-1-Agonisten (wie Semaglutid/Ozempic®)
d) Kortison und Immunsuppresiva
Funktionelle, strukturelle und systemische Risikofaktoren
a) Gastroparese, Kurzdarmsyndrom, Zustand nach Kolektomie und andere Motilitätsstörungen
b) Schlecht eingestellter Diabetes mellitus,
c) HIV-Infektion,
d) hämatologische Malignome
e) Organtransplantationen
f) Mangelernährung und schwere Grunderkrankungen

Bei Ozempic und Co. wird die Magenentleerung und intestinale Motilität stark verzögert, was sich auf die Verdauung auswirkt.

Mehr Informationen findet Ihr in diesem Artikel: 
Pilze im Dünndarm: SIFO – ein unterschätztes klinisches Phänomen

Mittwoch, 4. November 2026

ME/CFS: Antwort von Dr. Maja Strasser auf die vorläufigen Ergebnisse der deutschen Neurologie-Gesellschaft

 



Die Antwort-Mail von Dr. Maja Strasser, Fachärztin Neurologie und Mitautorin des DACH-Konsensus auf den Arbeitskreis (AK) der deutschen Neurologie-Gesellschaft zu ME/CFS (DGN), heute veröffentlicht bei linkedin.

Hinweis:
Die vorläufigen Ergebnisse des sind mir nicht bekannt. Aber bereits 2025 sorgten die Ergebnisse dieses AKs der DGN für Entsetzen. Der Begriff "Belastungsphobie" ist ein Faustschlag ins Gesicht eines jeden Erkrankten. 


Rückmeldung zum DGN-Arbeitskreis ME/CFS

Sehr geehrte Mitglieder des DGN-Arbeitskreises ME/CFS

Die Vorstellung Ihrer vorläufigen Ergebnisse und insbesondere Teile der anschliessenden Diskussion haben mich fachlich erheblich irritiert. Eine kritische Bewertung der Studienqualität ist notwendig. Die geäusserte Infragestellung des biologischen Krankheitscharakters von ME/CFS ist durch die dargestellten Ergebnisse jedoch nicht gerechtfertigt.

Aus fehlenden diagnostischen Biomarkern, einem unvollständig geklärten Pathomechanismus oder fehlenden krankheitsmodifizierenden Therapien lässt sich keine funktionelle beziehungsweise somatoforme Genese ableiten. Dafür wäre eigenständige positive Evidenz erforderlich. Die durch jahrzehntelange Vernachlässigung der biomedizinischen Forschung entstandenen Wissenslücken dürfen nicht erneut gegen die somatische Einordnung verwendet werden.

Im Artikel von Gina Shaw in Neurology Today. erklärt Avindra Nath, klinischer Direktor des NINDS: «It reveals that there is an absolute biological basis for this disease, involving clear immune system abnormalities» [1]. Auch die CDC bezeichnet ME/CFS ausdrücklich als biologische Multisystemerkrankung [2]. Wenn der DGN-Arbeitskreis davon abweicht, muss er darlegen, welche Befunde er anders gewichtet und welche Evidenz seine alternative Einordnung stützt. Heterogene Kohorten und fehlende Biomarker genügen dafür nicht.

Die Deutung von PEM als «Belastungsphobie» ignoriert objektivierbare pathophysiologische Befunde.
Keller et al. dokumentierten bei 84 ME/CFS-Erkrankten gegenüber 71 bewegungsarmen Kontrollen eine Verschlechterung spiroergometrischer Leistungsparameter nach 24 Stunden, auch bei vergleichbarer aerober Ausgangsleistungsfähigkeit [3].

Appelman et al. zeigten bei Long COVID mit PEM metabolische Störungen und Histopathologien der Skelettmuskulatur mit zunehmenden nekrotischen Muskelfasern und fokalen Immunzellinfiltraten nach Belastung [4].

Eine Übersicht unter Mitautorenschaft von Carmen Scheibenbogen erläutert die mikrovaskulären und immunmetabolischen Mechanismen [5].

Die Vermeidung einer real krankheitsverschlechternden Belastung darf nicht ohne belastbare Belege psychopathologisiert werden.

NICE NG206 und das D-A-CH-Konsensus-Statement ordnen CBT beziehungsweise Psychotherapie ausdrücklich als unterstützend und ohne kurative Zielsetzung ein [6,7].

Ein krankheitsmodifizierender Nutzen ist nicht belegt. Die Behandlung psychischer Komorbiditäten ist davon zu unterscheiden.

Keine gesicherte Heilbehandlung bedeutet keineswegs keine Behandlungsmöglichkeiten. Internationale Empfehlungen beschreiben Pacing sowie individuell angepasste symptomatische Therapien insbesondere bei orthostatischer Intoleranz/POTS, Schmerzen und Schlafstörungen [6–10]. Evidenzgrad, Risiken und ein allfälliger Off-label-Einsatz sind transparent darzustellen.

Von einer Stellungnahme der DGN zu einer seit 1969 neurologisch klassifizierten Erkrankung erwarte ich die angemessene Wiedergabe des internationalen Expertenkonsenses und eine wissenschaftliche Begründung abweichender Bewertungen.

Vor allem erwarte ich konkrete Empfehlungen, damit frühe korrekte Diagnostik, zuverlässige PEM-Erkennung und symptomatische Behandlung zum Versorgungsstandard werden.

Forschungslücken dürfen nicht dazu führen, überholte psychogene Zuschreibungen fortzuschreiben und die Versorgung erneut aufzuschieben.

Freundliche Grüsse
Dr. med. Maja Strasser
Fachärztin für Neurologie
Mitautorin des D-A-CH-Konsensus-Statements zu ME/CFS

Literatur
1. Shaw G. Are ME/CFS and Long COVID Part of the Same Disorder? _Neurology Today_. 18.04.2024. [DOI](https://lnkd.in/eKQjTzqM)
2. CDC. [Clinical Overview of ME/CFS](https://lnkd.in/ehic-Tri).
3. Keller B, et al. Cardiopulmonary and metabolic responses during a 2-day CPET in ME/CFS. _J Transl Med_. 2024;22:627. [DOI](https://lnkd.in/eV87Brab)
4. Appelman B, et al. Muscle abnormalities worsen after post-exertional malaise in long COVID. _Nat Commun_. 2024;15:17. [DOI](https://lnkd.in/eKTFgrwy)
5. Haunhorst S, et al. Towards an understanding of physical activity-induced post-exertional malaise: Insights into microvascular alterations and immunometabolic interactions in post-COVID condition and ME/CFS. _Infection_. 2025;53:1–13. [DOI](https://lnkd.in/ejZjP-BK)
6. NICE. [ME/CFS: diagnosis and management. NG206](https://lnkd.in/dY5PQ42K). 2021; insbesondere 1.12.28–1.12.34.
7. Hoffmann K, et al. Interdisziplinäres, kollaboratives D-A-CH Konsensus-Statement zur Diagnostik und Behandlung von ME/CFS. _Wien Klin Wochenschr_. 2024;136(Suppl 5)–S123. [DOI](https://lnkd.in/eBRQxjHR)
8. Bateman L, et al. ME/CFS: Essentials of Diagnosis and Management. _Mayo Clin Proc_. 2021;96:2861–2878. [DOI](https://lnkd.in/e4MM8G36)
9. Grach SL, et al. Diagnosis and Management of ME/CFS. _Mayo Clin Proc_. 2023;98:1544–1551. [DOI](https://lnkd.in/eiWCPDS5)
10. US ME/CFS Clinician Coalition. [ME/CFS Treatment Recommendations](https://lnkd.in/ePVtydty). 2021.

Dienstag, 3. November 2026

ME/CFS: Brief von Dobbin an Premier von 360 Sportlern unterschrieben

 



In England tritt das ein, was sich ME/CFS-Betroffene auf der ganzen Welt wünschen:
Eine Prominente ist an ME/CFS erkrankt und hat ein Interview gegeben.

Mit dem Outing der ehemaligen Olympia-Teilnehmerin Beth Dobbin haben bisher 360 Sportler einen Brief an den Premierminister unterzeichnet, in dem er auffordert wird, die ehemalige Sprinterin Beth Dobbin zu treffen und sich zu mehr Mittel für die ME-Forschung zu verpflichten.

Dobbin, 32, enthüllte kürzlich in einem Interview mit BBC Sport, dass bei ihr "lebensdezimierende" ME (myalgische Enzephalomyelitis) diagnostiziert wurde und infolgedessen mehr als 22 Stunden pro Tag im Bett verbringt.

Am 21. Oktober schrieb Dobbin an die Premierministerin, erhielt aber keine Antwort.

Zu den 360 Sportlern, die nun den Brief unterzeichnet haben, gehören Everton-Manager David Moyes, seine US-amerikanische Frauenkollegin Emma Hayes, die ehemalige Chelsea- und England-Innenverteidigerin Millie Bright sowie die Athleten Laura Muir, Eilish McColgan und Adam Gemili.

Zwischen 2019 und 2024 haben britische Forschungsförderer nur £ 6,6 Mio. in der Finanzierung der Forschung an ME bereitgestellt, verglichen mit £ 79,1 Mio. für Parkinson und £ 496,4 Mio. für Demenz.

Quelle: https://www.bbc.com/sport/athletics/articles/c63r53wvy4q5o?fbclid=IwY2xjawVXH0BleHRuA2FlbQIxMQBwZG9mAXNydGMGYXBwX2lkEDIyMjAzOTE3ODgyMDA4OTIAAR8JdNPEfHh60lpUb37PiK4aHns_1GgNZ7wA5KFGk5u-fWUQAsjyszObTL2g8Q_aem_TensEq1ngSxM4KJkQKhQFQ

ME-ANE-PROTECT - Studie zu Auswirkungen von Operationen und Anästhesie bei ME/CFS

An alle, die während seiner ME/CFS-Erkrankung bereits operative oder diagnostische Eingriffe (auch Magen-/ Darmspiegelungen etc.) unter Narkose/ Betäubung etc. hinter sich bringen mussten, die große Bitte: 

Macht mit bei der Umfrage  und Studie 
"ME-ANE-PROTECT - Studie zu Auswirkungen von Operationen und Anästhesie bei ME/CFS" 

Denn nur durch unsere Erfahrungen und unseren Berichten kann die Forschung lernen. 

Die Umfrage finden Erwachsene unter folgendem link. 

Kinder und Jugendliche werden unter diesem link befragt. 


Montag, 2. November 2026

Norwegische Studie befragt Psychosomatiker zu ME/CFS

 


In einer norwegischen Studie wurden 16 medizinische Vertreter der Psychosomatik befragt, die bei ME/CFS einen die einen „psychologisch und verhaltensorientierten Ansatz“ (CBT) verfolgen und davon überzeugt sind, dass dieser den Patienten hilft, sich von ME/CFS zu erholen.

Die Interviews geben Einblick in ihre Erfahrungen, ihre Sichtweise auf die Patienten und ihren Behandlungsansatz. Teilweise liefern sie erschreckende Einblicke.

M.E. geht es in dieser norwegischen Studie nicht um die Verbesserung der Lebensqualität oder der Funktionsfähigkeit der Erkrankten. Die medizinischen Fachkräfte glauben nach wie vor, sie würden ME-Patienten zur Genesung „trainieren“.

Sie vertreten einige schockierende und gefährliche Ansichten, die sie auch in die Praxis umsetzen. Dazu gehört, dass sie Familienangehörige und Pflegepersonen darin „schulen“, schwerwiegende ME-Symptome zu ignorieren, Maßnahmen zum körperlichen Schutz zu vernachlässigen und daran mitzuwirken, ihrem kranken Angehörigen oder Partner „beizubringen“, dass ME keine schwerwiegende körperliche Erkrankung sei.

Interessant ist, dass manche Therapeuten jedoch schon Bedenken haben und sich fragen, wie diese Ansätze wahrgenommen werden könnten, falls zukünftige Forschungsergebnisse eine behandelbare biologische Funktionsstörung nachweisen sollten“.

Mehrere Kliniker berichteten zudem, dafür kritisiert worden zu sein, dass sie den Patienten keinen Glauben schenkten oder deren Leiden herunterspielten, was die damit verbundenen moralischen und beruflichen Risiken verdeutlicht.

Die Frage „Was, wenn wir uns irren?“ steht damit sehr wohl im Raum - auch wenn sie das nach außen nicht zugeben würden.
 
Warum teile ich die Studie, die m.E. völlig überholt ist?

Sie zeigt auf, dass nach wie vor die Psychosomatik eine größere Rolle spielt, als wir denken.

In Deutschland
a) wird bereits betont, dass die Psychosomatik bei den Forschungsvorhaben keinen Schwerpunkt mehr bilden wird,
b) sollte eigentlich inzwischen offiziell anerkannt sein, dass die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) bei ME/CFS nicht hilfreich, sondern im Zweifelsfall sogar schädlich sein kann,
c) wird stattdessen auf unterstützende Therapiemodelle verwiesen.

D.h. jedoch nicht, dass nach wie vor genügend Behandler die Meinung der norwegischen Psychosomatiker teilen.

Ich selbst kann nur dazu raten, bei ME/CFS bei psychotherapeutischem Bedarf auf diese Information https://www.mecfs.de/psychotherapie/ sowie auf Frau Bettina Grande zu verweisen.

Freitag, 30. Oktober 2026

Studie: Paxlovid weist bei Hochrisiko-Patienten ein geringeres Risiko für Long Covid auf

 
Paxlovid (Nirmatrelvir/Ritonavir) ist für die Anwendung bei Patienten zugelassen, die ein hohes Risiko für einen schweren akuten COVID-19-Verlauf haben.

Die Erkenntnisse darüber, ob die akute Anwendung von Paxlovid vor postakuten Folgeerkrankungen einer SARS-CoV-2-Infektion (PASC) oder Long-COVID schützt, sind bei Hochrisikopatienten jedoch bisher uneinheitlich. Bei Niedrigrisikopatienten fehlen sie gänzlich.

Daher untersuchten Forscher den den Zusammenhang zwischen
a) einer Paxlovid-Behandlung innerhalb von 5 Tagen nach einer SARS-CoV-2-Infektion und
b) dem Auftreten von Long COVID sowie
c) Krankenhausaufenthalten oder Todesfällen jeglicher Ursache in der postakuten Phase (30–180 Tage nach der Infektion).

Genutzt wurden dafür elektronische Gesundheitsdaten aus dem RECOVER-Repository des Patient-Centered Clinical Research Networks (PCORnet).

Die Studienpopulation umfasste 497.499 SARS-CoV-2-positive Patienten im Zeitraum vom 1. März 2022 bis zum 28. Februar 2023.

Von den Patienten, die mindestens einen Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf aufwiesen, wurden 159.659 innerhalb von 5 Tagen nach der Infektion mit mindestens einer Dosis Paxlovid behandelt, während 272.048 während der akuten Infektionsphase weder mit Paxlovid noch mit anderen COVID-19-Therapien behandelt wurden.

Ergebnis der Studie:
Erwachsene COVID-19-Patienten mit hohem Risiko, die nicht stationär behandelt wurden und innerhalb von 5 Tagen nach der SARS-CoV-2-Infektion mit Paxlovid behandelt wurden, wiesen in der postakuten Phase ein geringeres Risiko für Long COVID sowie für Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle jeglicher Ursache auf.

Bei Patienten mit geringem Risiko wurde jedoch keine Verringerung des Long-COVID-Risikos durch Paxlovid beobachtet.

Ich kann daher nur jedem ME/CFSler und Post Covidler sowie MCAS-Erkrankten raten, sich Paxlovid verschreiben zu lassen. Zuvor sollte jedoch unbedingt das extreme hohe Potential der Wechselwirkungen beachtet werden.

Quelle der Studie:
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)

Psychisch Erkrankte und körperliche Erkrankungen: Zu oft fehldiagnostiziert?

Heute bin ich durch einen Beitrag von Dr. Julia Maria Nonn, ärztliche Direktorin und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie aufmerksa...